Gegen Sozialkahlschlag und Militarisierung: Klassenkampf selbermachen!

Am 26.09.2026 rufen die DGB-Gewerkschaften zu einem bundesweiten Aktionstag gegen die aggressiven Angriffe von Kapital und Merz-Regierung auf erkämpfte soziale Errungenschaften und Arbeiter:innenrechte auf. Auch wir, selbstorganisierte Initiativen von Beschäftigten und Gruppen aus der Stadtteilarbeit, der Bewegung gegen Kürzungspolitik sowie der außerparlamentarischen Linken, werden uns selbstverständlich an der landesweiten Demonstration in Kiel beteiligen und rufen alle Kolleg:innen, Nachbar:innen, Mitstreiter:innen und Genoss:innen dazu auf, sich dort neben uns einzureihen.

Denn entschlossener Widerstand gegen die gezielte Zerschlagung sozialer Sicherungssysteme, erträglicher Arbeitsbedingungen und der gesellschaftlichen Solidarität ist mehr als überfällig: Die Krise des Spätkapitalismus ist auch in der BRD so weit fortgeschritten, dass befriedende Herrschaftsformen längst nicht mehr greifen. Zur Absicherung der Profite der Großkonzerne, der gigantischen Reichtümer der Wenigen und des Kapitalstandorts gibt es für die Massen kein Zuckerbrot mehr, sondern die Peitsche soll es richten. Wir sollen länger, härter und prekärer arbeiten, während um uns herum alles teurer wird, unsere Löhne aber stagnieren. Nicht zufällig rüstet der Staat in dieser Situation nach Innen und nach Außen auf: Die zunehmende Armut, Verelendung und Perspektivlosigkeit soll durch immer neue Befugnisse für Polizei- und Überwachungsbehörden repressiv unter Kontrolle gehalten und jeder Versuch des Aufbegehrens im Keim erstickt werden. Ideologisch wird all dies immer und immer wieder als alternativlos dargestellt: Friss oder stirb.

So wie das kapitalistische Wirtschaftssystem haben diese Entwicklungen eine davon untrennbare globale Dimension: Die Konkurrenz der imperialistischen Staaten um Ressourcen, Arbeitskraft und Einfluss wird immer skrupelloser und immer öfter auch offen kriegerisch ausgetragen. Die bisher vorherrschenden Industriestaaten des Westens wollen ihre führende Stellung auf dem Weltmarkt gegenüber denjenigen weiter durchsetzen, die sich dort bisher unterordnen mussten – und die BRD steckt mittendrin.Die fortschreitende Eskalation des darin fußenden weltweiten Kriegszustandes spüren wir auch hier, selbst wenn wir von Bombenschlägen bisher verschont geblieben sind: Hunderte Milliarden versenkt der deutsche Staat derzeit in Aufrüstung und Kriegsvorbereitung, eine zentrale Ursache dafür, weshalb für Schulen, Krankenhäuser, soziale Absicherung und alles, was den Normalsterblichen zu Gute kommen würde, kein Geld mehr da sein soll. Es wird schonungslos auf Kriegswirtschaft umgestellt und das bedeutet eben auch, dass Arbeiter:innen funktionieren und keine Ansprüche stellen sollen. Wenn wir gegen die Kürzungen und die Angriffe von Oben auf die Straße gehen, müssen wir deshalb auch diese ganze irrsinnige Militarisierung in den Fokus nehmen.

Die Zeiten sind hart und werden noch härter, wenn die aufstrebenden Faschisten von der AfD ihr Programm der rassistischen, nationalistischen und patriarchalen Spaltung an den Hebeln der Macht weiter vorantreiben können. Aber wir haben uns, die Klasse der Lohnabhängigen, der Arbeiter:innen, der Ausgebeuteten. Unsere Macht besteht darin, dass wir die Vielen sind, die weder ein Interesse an den Kriegen, noch an der absurden und dekadenten Anhäufung von Reichtümern haben, für die diese geführt werden. Und wir weigern uns, unseresgleichen aus nichtigen Gründen zu hassen, damit die Mächtigen immer wieder davon kommen können. Wir wollen ein Leben in Solidarität, Gleichberechtigung, Würde und materieller Sicherheit für alle – nicht mehr und nicht weniger.

Dieses wurde uns noch nie geschenkt: Der Acht-Stunden-Tag geht auf die Kämpfe der 1. Mai-Bewegung zurück. Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall haben Kieler Werftarbeiter:innen vor genau 70 Jahren in einem harten und erbitterten Streik errungen, dem längsten Arbeitskampf in der Geschichte der BRD. 2004 gingen über Monate teils Hunderttausende als Basisbewegung gegen die Entrechtung von Erwerbslosen durch die Hartz IV-Angriffe auf die Straße. Das sind unsere Vorbilder. Wer sich wehren will, kann dies gegen die Übermacht von Staat und Kapital nicht allein tun. Deshalb organisieren wir uns in vielfältigen Bereichen selbst und sind tagtäglich in widerständigen und solidarischen Kollektiven aktiv. Denn wenn unten niemand rüttelt, wird sich oben nichts bewegen.

Dafür brauchen wir auch dich und dich! Bauen wir eine selbstbewusste und schlagkräftige Bewegung von unten auf, lassen wir uns nicht von dem Mythos der Sozialpartnerschaft einhegen und befeuern wir den Klassenkampf überall dort, wo er alltäglich geführt wird: In den Betrieben, in den Stadtteilen, auf den Straßen und in unserem Bewusstsein. Denn seien wir realistisch: Massenproteste können nur ein Anfang sein. Was wir jetzt brauchen, ist nicht weniger als ein Generalstreik zur Verhinderung der „Reformpläne“ dieser katastrophalen Regierung und für unser aller Zukunft!

Aber auch eine solche Offensive fällt nicht vom Himmel, ihr tragfähiges Fundament müssen wir selbst schaffen. Lasst uns deshalb reale und autonome Gegenmacht zu den tagtäglichen Zumutungen des Kapitalismus organisieren und uns gegen die Herrschenden, die uns fertig machen wollen, als Klasse zusammen zur Wehr setzen und kämpfen für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung. Denn uns aus dem Elend zu erlösen können wir nur selber tun.

Kommt in unseren „Klassenkampf selbermachen!“-Block auf der Gewerkschaftdemo!

Erstunterzeichner:innen: Autonome Antifa-Koordination Kiel, Chefduzen – Forum der Ausgebeuteten, FAU Kiel, Feminstische Geographien Kiel, Offenes Antifa Treffen Kiel, Perspektive Solidarität Kiel, Stadtteilladen Anni Wadle, Sozial- und Erziehungsdienst am Limit