Straßenfest am 1. Mai: Im Viertel zusammenhalten – von unten!

Für ein solidarisches Gaarden – gegen Verarmungspolitik, Spaltung und Verdrängung

Straßenfest am Stadtteilladen Anni Wadle | 1. Mai 2025 | 14 – 19 Uhr | Kieler Str. 12

Vorabenddemonstration „Gemeinsam kämpfen für eine Welt ohne Krise, Krieg und Kapitalismus – heraus zum revolutionären 1. Mai in Kiel!“ des Revolutionären 1. Mai Bündnis | 30. April | 18 Uhr | Vinetaplatz

Gemeinsame Anreise zur Gewerkschaftsdemo (10 Uhr Gewerkschaftshaus) | 1. Mai | 9 Uhr | Stadtteilladen Anni Wadle | Kieler Str. 12

Am 1. Mai – dem internationalen Kampftag der Arbeiter:innenklasse – laden wir euch auch in diesem Jahr wieder zu unserem Stadtteilfest in die Kieler Straße ein. Bei guter Musik, lecker Essen und Getränken, Kinderprogramm, politischen Reden und Infoständen wollen wir für ein solidarisches Gaarden zusammenkommen!

Denn: Während wir die immer weiter steigenden Mieten nicht mehr zahlen können, machen Immobilienkonzerne fette Gewinne. Während sich unsere Arbeitsbedingungen immer weiter verschlechtern und wir vom Jobcenter drangsaliert werden, werden die Reichen immer reicher. Während in allen sozialen Bereichen gekürzt wird, werden hunderte Milliarden für Krieg und Militarisierung ausgegeben. Diese Ungerechtigkeiten bekommen wir in Gaarden tagtäglich besonders zu spüren. Doch so wie es ist, muss und darf es nicht bleiben! Für wirkliche Veränderung müssen wir uns aber zusammentun und gemeinsam kämpfen!

Die Reichen zur Kasse und nicht die kleinen Leute!

Eine ursprüngliche Forderung des 1. Mai war die Begrenzung des Arbeitstages auf acht Stunden. In vielen Ländern konnte dieser 8-Stunden-Tag durch eine gut organisierte Arbeiter:innenschaft erkämpft werden. Wenn diese Errungenschaft, auch wenn sie ohnehin nie für alle Gültigkeit gehabt hat, über 100 Jahre später nun in Deutschland wieder abgeschafft werden soll, ist das Ausdruck eines tobenden Klassenkampfes von oben. Die Folgen dieser Politik trifft viele von uns Gaardener:innen in voller Härte. Denn die meisten von uns sind darauf angewiesen, ihre Arbeitskraft zu verkaufen.

Seit Jahren wird die soziale Infrastruktur, also Schulen, Kitas, öffentliche Verkehrsmittel oder Beratungsstellen, aktiv kaputtgespart. Die Kolleg:innen in den sozialen Berufen kämpfen vehement für bessere Arbeitsbedingungen, werden aber immer wieder mit Lippenbekenntnissen vertröstet. Das Bürgergeld, schon als Mogelpackung eingeführt, soll abgeschafft und der Zugang zu Sozialleistungen mittels Zwangsarbeit, Totalsanktionen und Demütigung verunmöglicht werden. Von Leistungen für Migrant:innen und Geflüchtete ganz zu schweigen.

Wenn die Herrschenden uns dann erzählen wollen, dass kein Geld für bessere Arbeitsbedingungen, angemessene soziale Absicherung oder gut ausgestattete Schulen übrig sei, dann lügen sie! Es gibt unendlich hohe Gewinne für Unternehmen und Staatsknete für Panzer, aber nicht für Krankenpfleger:innen, Erzieher:innen, Postbot:innen, Arbeitslose und Kinder. Diese ungerechte Verteilung des Geldes wird maßgeblich auf dem Rücken von Frauen ausgetragen. Sie kümmern sich unbezahlt um Haushalt und Kinder, wenn es nicht genügend Kita-Plätze gibt. Sie arbeiten unter miesen Arbeitsbedingungen, wenn mal wieder zu wenig in das Gesundheitssystem investiert wurde. Sie halten die Gesellschaft am Laufen, wenn uns erzählt wird, dass es kein Geld für Soziales gebe. So darf es nicht weitergehen. Es ist an der Zeit, dass wir uns das Geld zurückzuholen!

Soziale Probleme lassen sich nicht verdrängen – wir wollen ein würdevolles Leben für Alle!

Wenn Politiker:innen und Presse über Gaarden reden oder berichten, geht es meist einseitig und reißerisch um den „Problemstadtteil“. Dieses Bild haftet Gaarden schon seit vielen Jahren an, ist mit dem verstärkten Drogenkonsum sowie der damit angestiegenen Gewalt und Straßenkriminalität in den letzten Monaten aber deutlich verstärkt worden. Als vollmundige Lösungen für diese Probleme werden mehr Kontrollen und Überwachung gefordert. Dass mehr Polizei, eine Ausweitung des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD), Kameraüberwachung oder Alkoholverbotszonen nicht zu einer Lösung, sondern zu einer Verdrängung und sogar Verschärfung dieser Probleme führen, dürfte den Beteiligten durchaus klar sein. Dass sich diese Maßnahmen vor allem gegen die Ärmsten und am stärksten Ausgegrenzten richten und einen rassistischen Grundtenor haben, ist ebenso klar.

Doch für eine nachhaltige und würdevolle Lösung müssten Sucht, Konsum, Verelendung und Dealerei als gesamtgesellschaftliche Probleme anerkannt werden. Denn die Missstände auf unseren Straßen entspringen den kapitalistischen Klassenverhältnissen und sind ein zugespitzter Ausdruck ihrer Gewalt und Konkurrenz. Neben konkreten Beratungs- und Unterstützungsangeboten, Sozialarbeiter:innen und Konsumräumen brauchen wir deshalb eine langfristige Perspektive für ein würdevolles Wohnen und Leben. Und diese erfordert eine grundlegend andere Form der Gesellschaft.

Wohnraum ist keine Ware, sondern unser Zuhause – die Stadtteile denen, die dort wohnen!

Zusammen mit den sozialen Problemen sollen auch große Teile seiner Bewohner:innen aus dem Stadtteil verdrängt werden. Die Stadt betont seit vielen Jahren, dass Gaarden gentrifziert werden müsse, also die Ärmeren verdrängt und zahlungskräftigere Kundschaft angelockt werden sollen. Deutlich wird dies an Großprojekten wie der Bebauung des Hörnufers oder der Neugestaltung des alten Postgeländes am Karlstal. Während sich in den seelenlosen Bauten an der Hörn kaum ein:e Gaardener:in eine Wohnung leisten kann, ist das Postgelände dank unzuverlässiger Investoren, die auf das Bauland spekulieren, noch Brachfläche. Auf eine angemessene Nachfolge für die Post-Filiale warten wir in Gaarden hingegen vergeblich. Diese notwendige Dienstleistung wird seit Jahren an kleine Selbstständige ausgegliedert, zu miserablen Arbeitsbedingungen die an moderne Lohnsklaverei grenzen.

Aber auch die aktuelle Wohnungssituation ist für viele Gaardener:innen unter aller Sau. Wohnungskonzerne wie Vonovia, LEG und andere haben es sich zum Geschäftsmodell gemacht, mit möglichst wenig Aufwand, möglichst viel Profit zu machen. Wochenlang kaputte Heizungen im Winter, ausgefallene Fahrstühle in Hochhäusern oder aggressiver Schimmel sind längst keine Ausnahmen mehr. Genauso ist es zur Regel geworden, dass unsere Mieten trotz mieser Wohnbedingungen immer weiter ansteigen. Doch die Wohnungen, die Häuser und dieses Viertel dürfen keine Profitmaschinen für einige Wenige sein, sie sind das Zuhause von uns Vielen und gehören unter unsere Kontrolle!

Von unten und links – für ein solidarisches Gaarden!

Es ist offensichtlich, dass in Gaarden viele soziale Probleme zusammenkommen. Armut, Gewalt und Ausgrenzung begegnen uns alltäglich. Diese Probleme sind menschengemacht und Folgen der kapitalistischen Verhältnisse, die wenige Gewinner und viele Verlierer hervorbringen. Doch folglich können diese Verhältnisse auch von uns Menschen verändert werden.

Du willst keine Angst mehr haben müssen, die Miete nicht mehr zahlen zu können und auf der Straße zu landen? Schließ dich uns an!

Du willst keine Angst mehr haben müssen, vom Jobcenter schikaniert zu werden und die Leistungen gestrichen zu bekommen? Schließ dich uns an!

Du willst keine Angst mehr haben müssen, aufgrund von Aussehen oder Herkunft rassistisch von der Polizei kontrolliert und festgenommen zu werden? Schließ dich uns an!

Du willst dich sicher und ohne sexistische Belästigungen durch unser Viertel bewegen können? Schließ dich uns an!

Du willst für ein Leben in Würde und Selbstbestimmung kämpfen? Du willst, dass  es den Vielen gut geht und nicht den Wenigen? Schließ dich uns an!

Nur wenn wir eine kollektive Kraft von unten entwickeln, können wir uns gegen die Verarmungspolitik und Verdrängung durch die herrschende Klasse wehren. Dafür dürfen wir uns nicht in gute und schlechte Gaardener:innen spalten lassen, sondern müssen uns vereinen im Kampf gegen dieses ungerechte kapitalistische System. Lernen wir uns kennen und schlagen wir zurück!

Der 1. Mai, der Tag an dem wir gemeinsam an unsere Stärken als Ausgebeutete und Unterdrückte erinnern und für unsere Rechte und unsere Würde auf die Straße gehen, ist ein guter Tag, damit anzufangen. Hören wir nicht auf, bis wir unsere Leben, unseren Stadtteil und unsere Welt von der Ausbeutung durch das Kapital befreit und unter unsere Verwaltung gebracht haben! Dafür wollen wir uns mit euch die Straße nehmen und laden wir euch herzlich zu unserem Stadtteilfest ein!